Bücher & Schreiben

Pynchons „Gegen den Tag“ erscheint endlich auf Russisch: ein Universum auf 1232 Seiten

Ich habe die Gerüchte um Rechte und Übersetzung jahrelang verfolgt, und jetzt ist es so weit: Der Verlag Azbuka bringt Thomas Pynchons „Gegen den Tag“ in der Übersetzung von Maxim Nemzow heraus. Es ist der längste Roman des Autors mit 1232 Seiten, auf Englisch erstmals 2006 erschienen.

Auf Gorky erklärt Stanislaw Raspetschenko ausführlich, was einen erwartet. Die Handlung reicht ungefähr von 1893 bis in die 1920er-Jahre, von der Weltausstellung in Chicago bis zum Ersten Weltkrieg. Es gibt rund zweihundert Figuren, Familiengeschichten von Bergleuten und Erfindern, eine okkulte Detektivhandlung und dazu die „Freunde des Zufalls“ auf dem Luftschiff „Inconvenience“, die dem Buch fast einen Hauch von Abenteuerroman geben.

Besonders gefällt mir, wie im Text die zweite industrielle Revolution, der Anarchismus, der „Stromkrieg“ zwischen Tesla und Edison, das Michelson-Morley-Experiment und sogar das Tunguska-Ereignis zusammenlaufen. Verglichen mit „Die Enden der Parabel“ liest es sich scheinbar leichter, und genau darin liegt laut dem Rezensenten die Falle: Die Enden fügen sich nicht zu einem sauberen Puzzle.

Wer den „echten“, ehrgeizigen Pynchon vermisst und nicht nur Verfilmungen wie „One Battle After Another“, für den ist der Herbst 2026 eine gute Gelegenheit, zu dem dicken Band zu greifen und sich Zeit zu lassen.

Quelle: Gorky

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