Ameisenhaltung

Ozon kann Ameisen dazu bringen, ihre eigenen Nestgenossinnen anzugreifen

Ameisenkolonien funktionieren über den Geruch. Nestgenossen erkennen einander an einer chemischen Signatur, und alles, was falsch riecht, wird als Eindringling behandelt. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie fragt, was passiert, wenn Luftverschmutzung diesen Geruch verändert.

Die Forschenden um Nan-Ji Jiang und Bill Hansson sowie Markus Knaden setzten sechs Ameisenarten 20 Minuten lang 100 ppb Ozon aus, einer Konzentration, die im Sommer in betroffenen Gebieten häufig gemessen wird, und brachten die Ameisen danach in ihre Kolonien zurück. Fünf der sechs Arten griffen die ozonbelasteten Nestgenossinnen an oder drohten ihnen. Die Ausnahme war die klonale Raubameise Ooceraea biroi, die keine Aggression zeigte, vielleicht weil sie sich klonal vermehrt und keine Königin hat.

Der Mechanismus ist elegant. Ameisen tragen kleine Mengen Alkene im Koloniegeruch, und Ozon spaltet die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen dieser Moleküle. Alkane, die den größten Teil der Signatur ausmachen, bleiben unberührt. Gaschromatografie an einzelnen Ameisen bestätigte die Veränderung der Alkene.

Es gab auch längerfristige Folgen. In ozonbelasteten Kolonien von O. biroi hielten sich die Adulten weiter von ihren Larven entfernt, und viele Larven starben. Da Ozon als direkte Ursache weitgehend ausgeschlossen werden konnte, vermuten die Autorinnen und Autoren, dass die chemische Kommunikation zwischen Adulten und Larven gestört war.

Was ich daraus mitnehme, ist, wie zerbrechlich die unsichtbare Seite des Kolonielebens ist. Die 2026 in PNAS veröffentlichte Arbeit legt nahe, dass auch andere soziale Insekten wie Bienen betroffen sein könnten. Außerdem ist sie eine leise Mahnung an alle, die eine Kolonie drinnen halten: Die Luftqualität rund um das Nest ist wichtig.

Quelle: Phys.org (Max Planck Society)

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