Ameisenhaltung

Ameisen bauen ihr Nest um, wenn Seuchengefahr droht

Beim Bau eines Formicariums denken wir meist an Kammern, Tunnel und Feuchtigkeit. Dass die Tiere ihre Nestarchitektur aktiv als Schutz vor Krankheiten einsetzen, wusste ich bisher nicht. Eine Studie der University of Bristol zeigt genau das.

Das Team um Luke Leckie ließ zwei Kolonien mit je 180 Arbeiterinnen in einem mit Erde gefüllten Behälter graben. Nach 24 Stunden kamen jeweils 20 weitere Ameisen dazu. In einer der Gruppen trugen sie infektiöse Pilzsporen und stellten damit eine Ansteckungsgefahr dar. Danach gruben die Tiere sechs Tage weiter, und regelmäßige Mikro-CT-Scans machten die unterirdischen Strukturen sichtbar.

Die bedrohte Kolonie grub schneller und intensiver als die Kontrollgruppe. Ihr Nest wurde komplexer und weniger direkt vernetzt, die Eingänge lagen weiter auseinander. Vorrats- und Brutkammern waren stärker isoliert und hatten weniger Verbindungen zu anderen Kammern. Die Forschenden vermuten, dass die Ameisen so Kontakte verringern und den empfindlichen Nachwuchs schützen.

Simulationen mit 3D-Modellen der Nester bestätigten, dass diese Bauweise das Ansteckungsrisiko tatsächlich senkt, und zwar noch stärker, wenn man berücksichtigt, dass sich infizierte Tiere ohnehin selbst vom Rest der Kolonie absondern.

Neu ist laut Leckie, dass ein nichtmenschliches Tier seine Umgebung umbaut, um die Übertragung von Krankheiten zu verringern. Das Team sieht darin sogar eine Anregung für Städtebau und die Gestaltung sozialer Räume. Mir zeigt es vor allem, wie viel Verhalten in einem Nest steckt, das wir im Formicarium nur ansatzweise zu sehen bekommen. Die Arbeit erschien 2025 in Science.

Quelle: scinexx

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