Ameisenhaltung

Eine Ameisenart ohne Männchen und ohne Arbeiterinnen

Wer Ameisen hält, kennt das Grundmuster: eine Königin, viele Arbeiterinnen, dazu zur Schwarmzeit ein paar Männchen. Umso mehr hat mich eine Meldung aus Japan überrascht. Dort gibt es eine Art, die dieses Muster komplett über den Haufen wirft.

Es geht um Temnothorax kinomurai. Bei dieser seltenen Art wachsen ausschließlich Königinnen heran, Männchen und Arbeiterinnen fehlen ganz. Die jungen Königinnen dringen in Nester der verwandten Art Temnothorax makora ein, töten dort die Königin und einen Teil der Arbeiterinnen mit ihrem Stachel und lassen sich ihren Nachwuchs von den überlebenden Arbeiterinnen großziehen.

Dass die Art parasitisch lebt, war schon bekannt. Offen war, ob ihr Nachwuchs wirklich nur aus Königinnen besteht. Keiko Hamaguchi vom Kansai-Forschungszentrum und ihr Team sammelten dafür sechs Kolonien samt Eiern und Larven und zogen sie im Labor auf. Als alle Jungtiere ausgewachsen waren, bestimmten sie Kaste und Geschlecht, und das Ergebnis war eindeutig: Es entstehen nur Königinnen.

Möglich wird das durch Parthenogenese, die Königinnen entwickeln sich also aus unbefruchteten Eiern. Männchen werden schlicht nicht gebraucht. Die Kombination aus Parasitismus ohne eigene Arbeiterinnen und Jungfernzeugung ist laut den Forschenden bei Ameisen bisher einmalig. Andere Parasiten haben entweder keine Arbeiterinnen oder keine Männchen, aber nicht beides.

Der Seniorautor Jürgen Heinze von der Universität Regensburg nennt die Strategie unerwartet, aber evolutionär sinnvoll: Die Art steckt alle Ressourcen in neue Jungköniginnen. Mir gefällt, wie sehr so ein Fund das Bild von der „typischen“ Kolonie relativiert, auf dem auch unser Hobby aufbaut. Die Studie erschien 2026 in Current Biology.

Quelle: scinexx

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