Weltraum & Tiefsee

Ein Roter Zwerg verschlingt einen Braunen Zwerg: das System ZTF J0440+2325

Eine Meldung hat mich wirklich gepackt: Astronomen haben erstmals beobachtet, wie ein Roter Zwerg ein Objekt verschluckt, das ihn umkreist. Es handelt sich um das System ZTF J0440+2325, in dem ein Brauner Zwerg einen Roten Zwerg umkreist. Die Arbeit wurde in Nature Astronomy veröffentlicht.

Die Zahlen beeindrucken. Der Braune Zwerg umrundet seinen Partner in 86,65 Minuten. Zum Vergleich: Merkur, der sonnennächste Planet, braucht 88 Tage für einen Umlauf. Beobachtungen in fünf Wellenlängenbereichen zeigten auf dem Roten Zwerg einen hellen, heißen Fleck mit einer Temperatur zwischen fünf- und neuntausend Grad.

Die Entfernung zum System wird auf 326 Lichtjahre geschätzt, als obere Grenze werden 489 genannt. Davon hängt auch die Größe des Flecks ab: etwa 6700 Kilometer im ersten Fall und etwa 10 000 im zweiten. Die einzige Erklärung, die die Forscher gefunden haben und die zu den Beobachtungen passt, ist, dass Materie vom Braunen auf den Roten Zwerg fällt.

Die Autoren halten dies für den ersten beobachteten Fall eines solchen Materietransfers. Besonders gefallen hat mir der Gedanke, dass sich dieser Prozess über Milliarden Jahre hinziehen könnte, eher wie eine langsame „äußere Verdauung“ als wie eine dramatische Explosion. Das Weltall ist nicht immer spektakulär; manchmal ist es einfach sehr geduldig.

Am selben Tag erschien in derselben Zeitschrift eine weitere Arbeit über den Weißen Zwerg HS 0209+0832, in dessen Nähe ein Riesenplanet liegt, der aus den Trümmern früherer Planeten entstanden ist. Auf diese Geschichte komme ich gesondert zurück.

Quelle: Naked Science

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