Es gibt eine Wolke auf dem Mars, die ich für sehr ungewöhnlich halte: Sie ist etwa 1.600 km lang, manchmal bis zu 1.800 km (etwa 1/12 des Erdumfangs) und erscheint fast jeden Morgen, um dann innerhalb weniger Stunden vollständig zu verschwinden.
Die Wissenschaftler bezeichnen sie als "Arsia Mons Elongated Cloud" (AMEC), da sie sich über dem Arsia Mons bildet, einem erloschenen Vulkan von etwa 20 km Höhe in der Region Tharsis, südlich des Marsäquators. Die Mars-Express-Raumsonde der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entdeckte sie im Jahr 2018, und seitdem konnten Simulationen noch nicht erklären, wie sie entsteht.
In Bezug auf ihre Form ist die AMEC eine Reliefwolke: Starker Wind drückt feuchte Luft über hohe Berge, ähnlich den Levanter-Wolken, die gelegentlich an der Felsenküste von Gibraltar entstehen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch woanders. Auf der Erde entstehen Wolken oft durch heterogene Kondensation: Wasserdampf kondensiert zu Eis um Staubpartikel, Salz, Pollen oder Ruß. Die Marsatmosphäre enthält viel Staub, aber dieser Prozess findet hier nicht statt.
In einem Artikel, der am 7. Oktober in "Nature Geoscience" veröffentlicht wurde, argumentiert das Team des Planetenforschers Jorge Hernández-Bernal (Universität País Vasco, Spanien), dass der Wasserdampf in der AMEC direkt zu Eisteilchen wird, ohne dass ein "Kerns" dafür erforderlich ist. Sie bezeichnen dies als homogene Kondensation, einen Prozess, der bisher in der Atmosphäre eines anderen Planeten nicht beobachtet wurde. Durch die Einbeziehung dieses Mechanismus in ein meteorologisches Modell des Mars konnten sie die Eigenschaften der Wolke genau reproduzieren.
Die Bedingungen, unter denen dies geschieht, sind ebenfalls sehr speziell: Der Wind, der an der Flanke des Arsia Mons weht (höher als der Mount Everest), erzeugt eine Sogwelle, die die Luft sehr schnell nach oben drückt. Die Temperatur kann innerhalb von 10 Minuten um bis zu 30 Grad Celsius sinken. Ein Teil des Wasserdampfs könnte aus der Atmosphäre stammen, ein anderer Teil aus einer dicken Nebelschicht, die den Gipfel des Berges bedeckt.
Was mir an dieser Geschichte am besten gefällt, ist, dass ein scheinbar "unregelmäßiges" Phänomen dazu zwingt, vertraute meteorologische Prinzipien zu überdenken, um eine Lösung zu finden. Die Mars Express ist eine von sehr wenigen Sonden, die den Gipfel des Arsia Mons tagsüber beobachten können, daher sind ihre Daten der Schlüssel zu dieser Entdeckung.
Quelle: VnExpress
Jedes Mal, wenn ich denke, der Ozean kann mich nicht mehr überraschen, kommt so eine Geschichte daher. Ein Forschungsteam hat kürzlich einen Workshop zur Artbestimmung in Buenos Aires abgeschlossen und in nur zwei Wochen 57 völlig neue Meeresarten und 5 neue Gattungen aus Proben aus dem Mar-del-Plata-Canyon bestätigt. Das ist eine absurde Menge an Leben, der noch nie jemand einen Namen gegeben hatte.
Was mich beeindruckt, ist das Tempo. Sie holten rund zwanzig Taxonominnen und Taxonomen aus Lateinamerika und Europa zusammen, übergaben ihnen Exemplare, die das Forschungsschiff Falkor (too) im August 2025 gesammelt hatte, und ließen sie das Material mit Ocean Census NOVA durcharbeiten, einer offenen Plattform zur Erfassung neuer Arten. Gefunden wurden zwanzig neue Ruderfußkrebse, zweiundzwanzig Stachelhäuter wie Seegurken, vierzehn Korallen und eine Kahnfüßer-Molluske.
Der Star ist "Loki", eine Tiefsee-Seegurke mit kleinen hornförmigen Fortsätzen, bei denen alle sofort an den nordischen Gott denken mussten. Sie wurde in rund 2.577 Metern Tiefe lebend auf dem Meeresboden gefilmt – Aufnahmen, die einem zeigen, wie fremd unser eigener Planet immer noch ist.
Ehrlich gesagt verfolge ich genau deshalb Tiefseenachrichten. Dieselbe Expedition, die einen leuchtend orangefarbenen Seestern als "Patrick Star" viral gehen ließ, beschert uns jetzt ganz neue Arten. Wer selbst tiefer einsteigen will: Die offenen Daten gibt es unter oceancensus.org – die Forschenden stellen alles kostenlos zur Verfügung.
Quelle: Schmidt Ocean Institute
Eine kleine Nachricht vom französischen Ifremer hat mich in letzter Zeit gefreut. Zwei Prototypen der Argo-Deep-6000-Floats haben ihre ersten autonomen Tauchgänge auf offener See nördlich der Antillen absolviert. Seit dem 11. Januar hat jeder bereits fünf vollständige Zyklen bis in 6000 Meter Tiefe hinter sich.
Was mich interessiert, ist das Warum. Etwa 10 % der gesamten Erwärmung des Ozeans finden unterhalb von 2000 Metern statt, und die Daten deuten darauf hin, dass unterhalb von 4000 Metern im Südpolarmeer ein deutliches Erwärmungssignal existiert, das sich anschließend nach Norden ausbreitet. Bisher reichten die meisten Floats nicht so tief. Diese Geräte messen Salzgehalt, Temperatur, Sauerstoff und Druck nahezu in Echtzeit und übertragen ihre Daten per Satellit.
Technisch ist das ziemlich clever: Der Körper besteht aus Verbundwerkstoff statt aus Titan, und das Gerät wiegt 40 kg gegenüber 20 kg bei einem herkömmlichen Float. Ein Zyklus dauert zehn Tage, und die Konstruktion ist auf sieben Jahre Einsatzdauer ausgelegt. Die Prototypen wurden in Plouzané zusammen mit dem Unternehmen nke Instrumentation entwickelt, das die Elektronik und die Software beisteuerte.
Frankreich wird damit nach den USA und China das dritte Land, das Argo-Profiler entwickeln kann, die diese Tiefen erreichen. Ziel ist es, bis 2028 30 Floats für 6000 Meter zu betreiben, vor allem im Nordatlantik. Das 2000 gestartete Argo-Programm umfasst rund 4000 Floats, von denen knapp 1250 bis unter 2000 Meter tauchen können.
Ich finde es berührend, dass man die Tiefsee nicht mit einem großen, spektakulären U-Boot erkundet, sondern mit einem kleinen, geduldigen Gerät, das jahrelang alle zehn Tage auf- und abtaucht. Es ist eine stille Form der Forschung, aber sie wird uns am Ende wirklich verraten, wie sich der Ozean verändert.
Quelle: Ifremer / ANR
Hin und wieder bleibe ich vor einem neuen James-Webb-Bild am Bildschirm hängen, und diesmal war es NGC 7129, eine Sternentstehungsregion rund 3300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das für Infrarotlicht empfindliche Teleskop kann hinter den Staub blicken. Die Region war bereits vom inzwischen ausgemusterten Spitzer beobachtet worden, allerdings mit weit geringerer Auflösung.
Im Zentrum steht LkHα 234, ein Stern vor der Hauptreihe mit der 5- bis 8-fachen Sonnenmasse: der massereichste und reifste Stern des ganzen Gebiets. Links öffnet sich ein goldener Hohlraum von etwa 3,5 Lichtjahren Durchmesser, den Materieströme ausgehöhlt haben, die der Stern in einer früheren Phase ausgestoßen hat. Die Farbe hat eine genaue Bedeutung: Warmer atomarer Wasserstoff erscheint golden, kühlerer molekularer Wasserstoff rot.
Im Hohlraum stehen weitere Sterne vor der Hauptreihe, deren Sternwinde kleinere Schockbögen und Vertiefungen formen. An den Rändern, wo Wasserstoffmoleküle in Atome zerfallen, bildet sich eine Photodissoziationszone. Auf der rechten Seite sind jüngere Protosterne von dichter, klumpiger Materie umhüllt, und ihre überhitzten Jets erzeugen Stoßwellen, die sich manchmal überlagern.
Oben links liegt das Detail, das mir am besten gefallen hat: Ein Protostern mit einer ringförmigen Scheibe wirft einen Schatten auf einen blauen Nebel, ähnlich der als „Fledermausschatten“ bekannten Struktur, die Hubble bereits gezeigt hat.
Faszinierend finde ich, dass sich in einer einzigen Aufnahme mehrere Sternengenerationen ablesen lassen, von den reifsten bis zu den Neugeborenen, die noch im Staub verborgen sind. Das Bild stammt von NASA, ESA, CSA und STScI, die Bearbeitung besorgte Alyssa Pagan.
Quelle: Media INAF
Eine Meldung hat mich wirklich gepackt: Astronomen haben erstmals beobachtet, wie ein Roter Zwerg ein Objekt verschluckt, das ihn umkreist. Es handelt sich um das System ZTF J0440+2325, in dem ein Brauner Zwerg einen Roten Zwerg umkreist. Die Arbeit wurde in Nature Astronomy veröffentlicht.
Die Zahlen beeindrucken. Der Braune Zwerg umrundet seinen Partner in 86,65 Minuten. Zum Vergleich: Merkur, der sonnennächste Planet, braucht 88 Tage für einen Umlauf. Beobachtungen in fünf Wellenlängenbereichen zeigten auf dem Roten Zwerg einen hellen, heißen Fleck mit einer Temperatur zwischen fünf- und neuntausend Grad.
Die Entfernung zum System wird auf 326 Lichtjahre geschätzt, als obere Grenze werden 489 genannt. Davon hängt auch die Größe des Flecks ab: etwa 6700 Kilometer im ersten Fall und etwa 10 000 im zweiten. Die einzige Erklärung, die die Forscher gefunden haben und die zu den Beobachtungen passt, ist, dass Materie vom Braunen auf den Roten Zwerg fällt.
Die Autoren halten dies für den ersten beobachteten Fall eines solchen Materietransfers. Besonders gefallen hat mir der Gedanke, dass sich dieser Prozess über Milliarden Jahre hinziehen könnte, eher wie eine langsame „äußere Verdauung“ als wie eine dramatische Explosion. Das Weltall ist nicht immer spektakulär; manchmal ist es einfach sehr geduldig.
Am selben Tag erschien in derselben Zeitschrift eine weitere Arbeit über den Weißen Zwerg HS 0209+0832, in dessen Nähe ein Riesenplanet liegt, der aus den Trümmern früherer Planeten entstanden ist. Auf diese Geschichte komme ich gesondert zurück.
Quelle: Naked Science
Diese Meldung aus der Tiefsee hat mich gleich neugierig gemacht: Forschende des Schmidt Ocean Institute haben bei einer Expedition vor Argentinien 57 neue Meeresarten entdeckt. Unter ihnen sind fünf neue wissenschaftliche Gattungen, zum Beispiel aus den Gruppen der Korallen, Seegurken und Krebstiere.
Die Funde stammen aus dem Mar-del-Plata-Canyon, einem Unterwassertal vor der argentinischen Küste. Gearbeitet wurde in rund 2.500 Metern Tiefe, dort, wo kein Sonnenlicht mehr hinkommt und man nur mit Robotern und Kameras etwas zu sehen bekommt.
Ein Fund hat besonders viel Aufmerksamkeit bekommen: die Seegurke „Loki“. Der Name ist natürlich ein kleiner Spaß, und genau so etwas mag ich an der Forschung. Hinter einem Namen wie diesem steckt jahrelange, ernsthafte Arbeit, aber die Leute im Labor dürfen dabei trotzdem schmunzeln.
Was ich daran so spannend finde: Wir sprechen hier nicht von einem fernen Planeten, sondern von einem Ort auf der Erde, an dem man bei einer einzigen Expedition gleich dutzende bisher unbekannte Lebewesen findet. Das zeigt mir, wie viel wir von unserem eigenen Ozean noch gar nicht kennen.
Ich werde die Berichte zu dieser Expedition weiterverfolgen und hier ergänzen, sobald mehr über die einzelnen Arten bekannt ist.
Quelle: ZDFheute
Eine der Nachrichten, die mich diese Woche besonders interessiert haben: Die NASA sucht nicht nur nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Mond, sondern auch nach einem Unterschlupf.
Die Agentur hat ein Projekt namens GIMLI im Rahmen des Programms PRISM ausgewählt, um eine Grube namens "Marius Hills Pit" zu untersuchen. Der japanische Orbiter "Kaguya" hatte diese Grube im Jahr 2009 entdeckt, und seitdem vermuten Wissenschaftler, dass es sich um einen Eingang zu einer alten Lavaröhre handeln könnte, die sich unter der Oberfläche bis weit über ihren Krater hinaus erstreckt.
Das Team plant, mit drei miteinander verbundenen Instrumenten direkt auf der Mondoberfläche zu arbeiten: einem Bodenradar, seismischen Sensoren und einem Gravimeter, um festzustellen, ob die Röhre tatsächlich existiert und welche Größe sie hat. Das Projekt wird vom Planetary Science Institute (PSI) in Zusammenarbeit mit der norwegischen Weltraumagentur geleitet. Die Firma Honeybee Robotics ist für die Ausrüstung zuständig, und die Nutzlast wird mit einem Lander und einem Rover im Rahmen des kommerziellen CLPS-Programms zum Mond transportiert.
Was mir hier gefällt, ist der praktische Aspekt. Eine natürliche Höhle könnte Astronauten vor extremen Temperaturen, Strahlung und Mikrometeoriten schützen. Wie Gareth Morgan, der stellvertretende Hauptforscher, erklärt, sind Lavaröhren auf der Erde in Basaltvulkanen häufig, daher könnte ihre Entdeckung auf dem Mond uns helfen, die Geschichte des Mondes besser zu verstehen, basierend auf dem, was wir über unsere irdischen Höhlen wissen.
Die endgültige Antwort hängt noch von den Daten ab, die GIMLI sammeln wird, aber die Frage selbst ist faszinierend: Werden Mondhöhlen ein wesentlicher Bestandteil jedes zukünftigen Plans zur Besiedlung des Mondes?
Details zu den drei Nutzlasten, die die NASA in ihrer offiziellen Erklärung ausgewählt hat:
https://www.nasa.gov/news-release/nasa-adds-new-science-investigation…
Quelle: World Press Arabic.
Bild: NASA · Public Domain
Eine aktuelle Meldung von der Expedition des Forschungsschiffs des Schmidt Ocean Institute hat mich nachdenklich gemacht. Am 13. Juni fand das Team in rund 3.000 Metern Tiefe im Atlantik ein Hemd, etwa 1.700 km vor der brasilianischen Küste.
Ziel der Reise war es, die Bruchzonen entlang des Mittelatlantischen Rückens zu untersuchen, einer der abgelegensten Umgebungen des Planeten. Die Wissenschaftler hofften auf eine unerforschte Umwelt, stießen aber stattdessen auf menschlichen Müll. Der Abfall wurde mit einem ROV, einem ferngesteuerten Fahrzeug, geborgen, und die Expedition setzte außerdem einen AUV ein, ein autonomes Unterwasserfahrzeug.
Der Forscher Ronaldo Christofoletti von der Unifesp, der an Bord war, erzählte, sie hätten „ein Hemd und eine Getränkedose“ an einem Ort gefunden, der vielleicht einer der letzten unberührten Teile des Planeten ist. Für mich fasst dieser Satz alles zusammen.
Ich betrachte die Tiefsee gern als das letzte wirklich wilde Gebiet. Zu wissen, dass die Spuren unserer Anwesenheit selbst so weit von jeder Küste entfernt schon angekommen sind, ist eine unbequeme Erinnerung. Zugleich bin ich froh, dass es Expeditionen gibt, die dorthin gelangen und uns das mit Bildern zeigen, statt die Sache der Vermutung zu überlassen.
Quelle: CNN Brasil
Eine Forschungsgruppe unter Beteiligung der JAXA hat bekanntgegeben, dass es ihr weltweit erstmals gelungen ist, niederenergetische Gammastrahlung aus dem Zentrum der Milchstraße nach demselben Prinzip wie bei einem optischen Teleskop direkt abzubilden. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass das unscheinbar wirkt, aber eigentlich eine große Sache ist – deshalb stelle ich es hier vor.
Es geht um Gammastrahlung im Bereich von 150–600 keV, also mit Energien unter 1 MeV. Da es für dieses Band kein präzises Abbildungsverfahren gab und das Hintergrundrauschen hoch ist, galt es als unerforschtes Gebiet, die sogenannte „MeV-Lücke“. Bisher musste man sich offenbar auf indirekte Methoden verlassen, bei denen das Rauschen des gesamten Himmels und das schwache Signal modelliert und daraus Schätzungen abgeleitet wurden.
Zum Einsatz kam eine „Elektronenspur-Compton-Kamera (ETCC)“, die sogar die Bahnen der Elektronen verfolgen kann. Das Team wertete Daten aus rund einem Tag Beobachtung des großen Ballonexperiments „SMILE-2+“ aus, das 2018 in Zentralaustralien gestartet wurde, und hielt ein signifikantes Signal aus Richtung des galaktischen Zentrums als Bild fest. Die Erklärung fand ich sehr anschaulich: Bei einer herkömmlichen Compton-Kamera wird selbst eine Punktquelle ringförmig verschmiert, bei der ETCC dagegen in einem Punkt gebündelt.
Die gemessene Gammastrahlung aus der Positronenannihilation stimmt im Rahmen der Fehlergrenzen mit früheren Beobachtungen überein, ist aber etwa doppelt so intensiv. Da eine Strahlung, die um ein Mehrfaches stärker ist als der theoretische Wert, damit besser belegt ist, erhofft man sich auch Tests unbekannter Ursprünge wie Dunkler Materie oder primordialer Schwarzer Löcher. Die Ergebnisse erschienen im August 2026 in einer Fachzeitschrift der American Physical Society und wurden auch in einem Research Highlight von Nature vorgestellt.
Auch das empfindlichere Nachfolgeexperiment „SMILE-3“ wird bereits als Kandidat für die 2028 in Australien geplante Ballonkampagne vorbereitet. Die Formulierung „von einer Wissenschaft des Vermutens zu einer Wissenschaft des Sehens“ hat mich sehr beeindruckt.
Quelle: JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency)
Ich liebe es, wenn eine astronomische Geschichte an Chroniken von vor fast tausend Jahren anknüpft. Im Jahr 1181 hielten Beobachter in China und Japan das Erscheinen eines „neuen Sterns“ fest, der monatelang zu sehen war. Heute geht man davon aus, dass dieses Leuchten die Supernova war, die den Nebel Pa 30 hinterlassen hat – und nun ist die bislang schärfste Aufnahme davon gelungen.
Die Beobachtungen wurden mit dem Teleskop Gemini North auf Hawaii gemacht und zeigen etwa zehnmal mehr Struktur als frühere Aufnahmen. Die langen Filamente, die den Nebel wie ein Feuerwerk oder eine Pusteblume aussehen lassen, entpuppen sich in Wirklichkeit als Ketten aus Gasknoten, wie Perlen an einer Halskette.
Jede „Perle“ hat einen Durchmesser von etwa vier Lichttagen. Am meisten überraschte das Team, wie gleichmäßig sie sind und wie geordnet sie entlang der Filamente erscheinen, obwohl man etwas viel Chaotischeres erwartet hatte. Die Arbeit wurde in The Astrophysical Journal veröffentlicht.
Und es gibt noch ein Detail, das ich faszinierend finde: Im Zentrum von Pa 30 überlebt ein „Zombiestern“. Ein Teil des Weißen Zwergs hat die Explosion überstanden, was typisch für die seltenen Supernovae vom Typ Iax ist. Die Untersuchung dieser Knoten könnte helfen zu rekonstruieren, wie jene Explosion ablief, die unsere Vorfahren gesehen haben.
Quelle: WIRED en Español
Während der Feiertage zum Nationalfeiertag habe ich eine Nachricht gelesen, die mich ziemlich begeistert hat: Das Ozeanbohrschiff „Mengxiang“ (Traum) hat eine 30-tägige Testbohrfahrt im Südchinesischen Meer abgeschlossen und ist nach Guangzhou zurückgekehrt. Laut dem Chinesischen Geologischen Dienst wurden dabei in rund 4100 m Wassertiefe im Südchinesischen Meer zwei Bohrungen mit Kerngewinnung abgeschlossen und erfolgreich Basaltproben aus dem Ozeanbecken des Südchinesischen Meeres gewonnen.
Einige Zahlen habe ich mir extra notiert: Die maximale Endteufe dieser Fahrt betrug 4929,17 m, der maximale Bohrfortschritt 864,77 m – damit wurde der Rekord für die größte Arbeitswassertiefe bei eigenständig von China durchgeführten Bohrungen gebrochen. Mit einem selbst entwickelten Rotationskernbohrwerkzeug holte das Team einen 4,27 m langen Basaltkern nach oben.
Laut dem Bericht ist China damit nach den USA und Japan das dritte Land, das mit einem Bohrschiff Hartgesteinsproben aus einem Tiefseebecken gewonnen hat. Die Fähigkeit zu Tiefseebohrungen mit Kerngewinnung wurde auf die 5000-m-Klasse angehoben, und bei mehreren Bohrdurchgängen lag der Kerngewinn über 100 %.
Am spannendsten an diesen Bohrkernen finde ich, dass sie Material aus erster Hand liefern können, um zu erforschen, wie sich das Südchinesische Meer geöffnet und entwickelt hat; zugleich zeigen sie, dass die heimische Kernbohrausrüstung unter Ultratiefwasserbedingungen die Bewährungsprobe bestanden hat. Ich bin gespannt auf die weiteren Forschungsergebnisse.
Quelle: 人民网(人民日报海外版)
Das Ferninfrarot-Weltraumteleskop, das mich persönlich schon lange interessiert, wird nun endlich Wirklichkeit. Die NASA hat am 23. September das Teleskop der nächsten Generation „PRIMA“ als erste Mission ihrer neu geschaffenen Missionsklasse „Probe Explorers“ ausgewählt. Die Entscheidung fiel nach einem Vergleich mit dem Röntgenteleskop „AXIS“; angestrebt werden ein Start im Jahr 2033 und fünf Jahre Beobachtungszeit. Die Kostenobergrenze liegt Berichten zufolge bei 1,2 Milliarden US-Dollar (ohne Startkosten).
Das Spannende am Ferninfrarot ist, dass man damit durch die staubverhüllten Regionen hindurchsehen kann, in denen Sterne und Planeten entstehen. PRIMA soll untersuchen, wie Planeten entstehen und wie Galaxien und supermassereiche Schwarze Löcher gewachsen sind, und außerdem das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff (D/H-Verhältnis) im Wasser von Kometen messen, um der Frage „Woher stammt das Wasser der Erde?“ nachzugehen. Diese Frage begeistert mich jedes Mal aufs Neue.
Der Teleskopspiegel hat einen Durchmesser von 1,8 m. Damit die eigene Wärme nicht zum Rauschen wird, wird er auf etwa 4,5 K gekühlt; an Bord sind das Spektrometer „FIRESS“ und das Bildgebungs- und Polarimetrieinstrument „PRIMAger“. Es schließt genau die Wellenlängenlücke zwischen JWST und dem ALMA-Teleskop, und 75 % der Beobachtungszeit sollen für Anträge von Forschenden aus aller Welt offenstehen.
Aus Japan soll sich JAXA als internationale Partnerorganisation beteiligen. Im Gespräch sind unter anderem die Bereitstellung der Wärmedämmtechnik, die für das einst geplante Infrarotteleskop „SPICA“ entwickelt wurde, sowie Unterstützung beim Datenempfang an der Bodenstation für Tiefraumerkundung in Misasa. Dass die SPICA-Technik auf diese Weise weiterlebt, berührt mich ein wenig.
Quelle: TECH+ (Mynavi News)
Das hier hat mich zum Lächeln gebracht: Ein einziger zweiwöchiger Workshop in Buenos Aires hat aus einem Berg Tiefseeproben 57 Arten und fünf Gattungen gemacht, die bisher noch niemand beschrieben hatte.
Im Juli kamen zwanzig Taxonomen und Nachwuchsforschende aus Lateinamerika und Europa an der Universidad Maimónides zusammen. Veranstaltet wurde der Workshop von Nippon Foundation-Nekton Ocean Census gemeinsam mit Schmidt Ocean Institute, CONICET und dem argentinischen Naturkundemuseum. Das meiste Material stammte von der Expedition des Schmidt Ocean Institute zum Mar-del-Plata-Canyon im Jahr 2025, bei der der ROV SuBastian vom Forschungsschiff Falkor (too) aus Tiere sammelte, dazu kamen einige ältere Proben von CONICET.
Die Zahl setzt sich so zusammen: 20 Ruderfußkrebse, 22 Stachelhäuter (Seegurken und Haarsterne), 14 Nesseltiere wie Oktokorallen, Seefedern und Steinkorallen sowie ein Kahnfüßer (Grabfüßer-Weichtier).
Mein Favorit ist eine gehörnte Seegurke der Gattung Peniagone mit dem Spitznamen „Loki“, gefunden in 2.577 Metern Tiefe. Sie ist eine von bis zu zehn neuen Seegurken aus dem Fang. Und das Detail, das mir wirklich im Kopf geblieben ist: Bisher wurden erst etwa 10 % der Ruderfußkrebs-Proben untersucht, und jede einzelne davon war neu.
Einige der Korallen könnten sich nach Abschluss der genetischen Analysen sogar als neue Gattungen oder eine neue Familie herausstellen. Die Exemplare bleiben in den argentinischen Nationalsammlungen, und die bestätigten Arten kommen in die offene Datenbank von Ocean Census. Ehrlich gesagt erinnert das gut daran, wie wenig von der Tiefsee wir tatsächlich erfasst haben.
Quelle: DIVE Magazine