Audio-Selbstbau

Ein Röhrenverstärker von 1955, gebaut aus Backblechen

Röhrenaudio hat ein Imageproblem. Zu oft wird es von Leuten vereinnahmt, denen das Angeben wichtiger ist als der Spaß am Bauen. Deshalb war es erfrischend, über ein Projekt zu lesen, das den umgekehrten Weg geht.

Bettina Neumryr baut Schaltungen aus alten Elektronikzeitschriften nach, und ihr neuestes Werk ist ein Röhrenverstärker von 1955. Hackaday nennt ihn ein fantastisches Gegenmittel gegen den vergoldeten Unsinn der Audiophilen-Röhrenverstärker, und ich kann das gut nachvollziehen.

Das Design ist recht unkompliziert: ein Vorverstärker, dann ein übertragerloser Phasenteiler mit zwei Röhren, der eine Gegentakt-Endstufe ansteuert. Sie erklärt die Schaltung ein wenig, einschließlich des Gegenkopplungspfads zur Kathode der ersten Phasenteilerröhre. Das Netzteil ist eine klassische Röhrengleichrichtung mit einem kräftigen Tiefpassfilter um eine große Drossel herum.

Mein Lieblingsdetail ist das Gehäuse. Statt viel Geld für ein eigens gefertigtes Röhrenchassis auszugeben, verwendete sie zwei Backbleche, die überraschend gut aussehen sollen. Die meisten Teile stammen aus der Bastelkiste, auch der Ausgangsübertrager, und genau dort fingen die Probleme an.

Nach ein paar Pannen und etwas ungewollter Schwingung kam ein Verstärker heraus, der Potenzial zeigt, aber merkliche Verzerrungen aufweist. Hackaday führt das auf den Übertrager zurück. Ein besserer sollte den Wert in einen akzeptablen Bereich bringen. Wer die Details will, findet ein Video des gesamten Aufbaus.

Ich mag das Projekt, weil es den Verstärker zuerst als Elektronikprojekt behandelt und erst danach als Statussymbol. Es erinnert daran, dass eine Bastelkiste plus Geduld viel erreichen kann und dass Hochspannung beim Arbeiten Respekt verdient.

Quelle: Hackaday

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